Wertes Bundesgremium des Holz- und Baustoffhandels,
liebes ibw - Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft!
Trotz jahrelanger Erfahrung erstaunt mich das Internet immer wieder.
Hier eine Anekdote: Erst kürzlich sitze ich vor meinem Computer und lese
Beiträge in einem Internetforum, das thematisch aber wirklich rein gar
nichts mit Bauprodukten oder Lehrberufen zu tun hat. Und plötzlich --
Sie werden lachen! -- lese ich da einen Beitrag einer jungen Dame, deren
Schwester sich für den Lehrberuf als Bauproduktefachberater
interessiert. Die junge Dame hat sich extra in diesem Forum als neue
Benutzerin registriert, um diesen Beitrag zu erstellen, also muß ihr das
fachfremde Thema wirklich wichtig gewesen sein.
Zunächst war die junge Dame ja skeptisch, ob so eine Lehre etwas kann,
insbesondere nach der Matura und so... Aber dann, nach Sichtung der
Webseite http://www.lehrlingsinfo.at/bauproduktefachberater/ , die von
Ihren beiden Organisationen betrieben wird, war sie überzeugt. Und ich
auch! So begeistert war ich von der Vorstellung des
Bauproduktefachberater-Daseins, daß ich mich noch eingehender
informieren wollte.
Und siehe da, es gibt zahlreiche andere ähnliche Diskussionen in anderen
-- großteils mit völlig anderen Themen befassten -- Webforen; hier
einige Links mit dem Zeitpunkt des erstes Beitrags:
27. April, 09:29 http://forum.szene1.at/viewtopic.php?t=49794
5. Mai, 13:19 http://forum.vol.at/showthread.php?p=70707
5. Mai, 13:35 http://www.parents.at/forum/showthread.php?t=537590
5. Mai, 14:54 http://www.alleinerziehend.at/forum/viewtopic.php?f=7&p=17696
6. Mai, 11:29 https://www.wien.gv.at/forum-mariahilf/showthread.php?t=82
6. Mai, 11:46 http://foren.wienxtra.at/forum/arbeit_&_bildung/thema/35835
6. Mai, 12:17 http://forum.hcrs.at/viewtopic.php?p=12052
6. Mai, 13:09 http://forum.geizhals.at/t639114,-1.html?sort=time
Natürlich geht es nicht immer um die Schwester; hier und da fragt auch
eine besorgte Mutter, oder die angehende Maturantin möchte wissen, ob
diese Lehre etwas für sie selber sein könnte.
Witzig, nicht? Die zeitliche Häufung und so, die Ähnlichkeit der
Geschichten.
Sehen Sie, ich möchte gar nicht wissen, ob das Zufall ist (Sie bestimmt
auch nicht).
Ich möchte auch nicht wissen, wieviel der Auftraggeber dieser miesen Art
von "Werbung" der jungen Dame, die so dilettantisch durchs Internet
stolpert, bezahlt.
Ich möchte nichtmal wissen, ob der Auftraggeber die Bezahlung der jungen
Dame verweigern wird, da sie ihren Job offensichtlich nicht kompetent
genug ausübt (Unauffälligkeit und Natürlichkeit waren doch sicherlich
vertraglich vereinbart -- oder meinen Sie nicht, daß der Auftraggeber
darauf bestehen sollte?).
Allerdings möchte mein Bruder zwei Dinge wissen, und er meint, Ihre
Organisationen hätten vielleicht interessante Meinungen dazu:
1. Schämt sich der Auftraggeber denn gar nicht?
2. Hält der Auftraggeber zukünftige Lehrlinge wirklich für so blöd? Ist
das wohl seine Vorstellung vom Respekt, den ein Arbeitgeber seinen
Arbeitskräften entgegenbringen sollte?
Mein Bruder meint nämlich, und diese Meinung teile ich, daß die
oberflächlich besehene Faktenlage ein schlechtes Licht auf Ihre
Organisationen werfen könnte, die ja die obengenannte Website betreiben.
Ich nehme an, Sie sehen das ähnlich, und meinen auch, daß man
herausfinden sollte, welcher Auftraggeber mit dem Schindluder, der hier
getrieben wird, den Ruf Ihrer ehrenwerten Organisationen in den Schmutz
zu ziehen versucht.
Meinen Vater hingegen interessiert etwas ganz anderes. Er ist kein
Jurist, und Sie vielleicht auch nicht; er würde aber nur zu gern wissen,
ob sowas als "kommerzielle Kommunikation" gilt ("Kommunikation, die der
unmittelbaren oder mittelbaren Förderung des Absatzes von Waren und
Dienstleistungen [dient]", Paragraph 3 E-Commerce-Gesetz). Denn
"kommerzielle Kommunikation" muß "klar und eindeutig [...] die
natürliche oder juristische Person, die die kommerzielle Kommunikation
in Auftrag gegeben hat [erkennen lassen]" (Paragraph 6 ebenda).
Interessante Frage, finden Sie nicht auch?
Meinen Sie, es gibt da eine Stelle, an die ich mich wenden kann? Hat
vielleicht die Wirtschaftskammer Österreich eine juristische
Anlaufstelle? Oder das Wirtschaftsministerium eine juristische
Abteilung, die sich mit der Einhaltung solcher Regeln auskennt?
(Andererseits, die Strafe würde maximal 3000 Euro betragen (Paragraph
26), das ist gerade in Zeiten wie diesen sicherlich aus der Portokasse
finanzierbar. Außer natürlich, die einzelnen Beiträge werden als
einzelne Verwaltungsübertretungen gewertet und die Strafen addiert.
Vielleicht haben Sie ja irgendwo im Haus einen Juristen, der eine
informelle Einschätzung der Rechtslage abgeben könnte.)
Sie werden sicherlich verstehen, daß etwaige Antworten auf diese E-Mail
im Internet veröffentlicht werden, wenn ich meine, daß die besorgte
Öffentlichkeit daraus etwas Belustigung beziehen kann.
Mit freundlichem Grinsen,
Ihr (meistens) zufriedener Kunde,
N. N.