Ok, das stimmt, tut mir leid. Ich habe hier Kampis Konzept von Wissen, das für alle verfügbar gemacht werden muss, mit freier Software verwechselt.
Fair enough. Der Vollständigkeit halber: Ob Kampi meint, jedes einzelne jemals geschriebene Programm, ob für den privaten Gebrauch oder nicht, sollte frei im Internet stehen müssen, weiß Kampi. Ich meine das in dieser Allgemeinheit nicht. Ich würde seiner Aussage "wissen jeder art sollte meiner meinung nach frei zugaenglich sein, und man sollte es frei verwenden duerfen." in dieser Allgemeinheit auch nicht zustimmen, wenn mit "wissen jeder art" alles gemeint ist, was jemals irgendwer irgendwo zu Papier/Tastatur/Hirn gebracht hat.
Ein paar kleinere Punkte:
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Wie hinderst du michi204, die Software gegen z.b. die Hälfte des Preises, den du bezahlt hast, weiterzugeben?
Gar nicht. Fühlt sich der Kunde gefrotzelt? Sein Problem. Microsoft verschenkt seine Software auch an Studenten, trotzdem finden sich viele, die den vollen Preis bezahlen.
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Noch dazu möglicherweise an ein gemeinsames Konsortium deiner übrigen Konkurrenten (da vielleicht wieder für insgesamt mehr Geld, aber weniger pro Konkurrent)?
Super! Wenn es so einfach ist, ein Konsortium zusammenzutrommeln: Ja! Unterm Strich hat die Gesellschaft mehr davon, wenn für die Entwicklung einer Software genau einmal bezahlt wird.
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Oder noch weiter, wenn du Mitarbeiter hast, die die Software verwenden - dürfen die sich den Code ansehen? [...] Du könntest ja auch jemanden als Mitarbeiter haben, der aus Prinzip alles ins Internet stellt, weil er eben denkt, es ist Wissen und sollte für alle verfügbar sein.
Das wird durch die GPL auch ausgeschlossen, zumindest ist das laut FAQ die Intention. Das bestehende Urheberrecht bietet eine (theoretisch) sehr scharfe Waffe zur Durchsetzung der GPL. Über eine hypothetische Welt ohne Urheberrecht mache ich mir im Moment keine Gedanken, die ist auch nicht das Thema dieses Threads. (Wobei mir ehrlich gesagt gar nicht klar ist, was das Thema dieses Threads ist.)
Und zum Hauptpunkt:
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Im übrigen wärs für michi204 eigentlich intelligenter, wenn er diese Software proprietär entwickeln und dann verkaufen würde.
1. Ich deute das jetzt mal so, daß wir uns einig sind, daß es prinzipiell Geschäftsmodelle geben kann, die sehr wohl auf Entwicklung von freier Software abstellen, nicht nur auf Support. Damit wäre der eigentliche Grund für meinen erneuten Einstieg in den Thread -- deine wiederholte Behauptung, es gäbe sowas nicht -- abgehakt.
2. "Intelligenter" hängt (auch) davon ab, ob man das Geschäftsmodell ausschließlich aus michi204s Sicht und ausschließlich monetär bewertet. Ja, daß es für den Einzelnen angenehm ist, wenn das Geld einfach von selber reinfließt, das habe ich oben auch schon geschrieben.
3. Bei einem derartigen Geschäftsmodell -- zuerst entwickeln, dann Kunden suchen -- trägt der Entwickler das Risiko, daß am Ende niemand sein Produkt haben will. Je früher er einen Auftrag von einem Kunden/einer Menge von unabhängigen Kunden/einem Kundenkonsortium hat, umso früher kann er zumindest dieses Risiko ausschließen und noch dazu genauer auf die Wünsche der Kunden eingehen. Was man wiederum als "intelligenter" werten könnte, aber solche Abwägungen sind zu allgemein und müßten im Kontext eines konkreten Projekts getroffen werden.
4. Du scheinst noch immer hauptsächlich von Software der Art "das wollen Millionen von Menschen in einer Pappschachtel haben" auszugehen. Wenn ich von Aufträgen rede, meine ich eher wirklich spezialisierte Sachen der Art "das sind meine ganz eigenen noch nie dagewesenen Geschäftsprozesse, ich hätte sie gern in Software gegossen" oder "das ist unser neuer Computertomograph, der ist von der Hardware her der beste Computertomograph aller Zeiten, aber ohne bildgebende Software können wir ihn nicht verkaufen" etc. Dazwischen liegt auch ein weites Feld.
Würde generische Schachtelsoftware weiterhin existieren, wenn es nur freie Software gäbe? Ich glaube ja: Erstens, weil generische Bedürfnisse die Wahrscheinlichkeit erhöhen, daß sich fähige Programmierer finden, die diese Bedürfnisse haben und befriedigen wollen. Einfach so, auch wenn Wirtschafts-Lehrbücher das nicht durch (monetäre) Anreize erklären können. Zweitens, weil gerade dein Einwand, daß "hier eine staatliche Steuerung nicht gut wäre, weil es zu viel unterschiedlichen Bedarf und zu viele unterschiedliche kleine Projekte gibt" bei so generischen Sachen wie "Betriebssystem für End-User mit GUI" oder "Textverarbeitung" nicht greift. Genau da könnte der Staat eingreifen, wenn viele Leute sowas brauchen, es aber nichts derartiges gibt.