Ob's biologische Hirnfunktionen sind oder nicht ist mir eigentlich egal. Ich glaub nicht daran, dass das Hirn nur aus Gehirn besteht und ein paar Elektronen drin herumschwirren.
Eine Bezeichnung für eine Veränderung kann auch zu einem "Gott" erhoben werden, wenn man danach strebt so gut wie möglic für es zu leben.
Zitat
Und dieser "Batzen Moral" bzw. Ethik kann aber auch unangenehme Überraschungen enthalten. Daher erarbeite ich mir meine Ethik lieber selber.
Religion bedeutet ja nicht, dass man ein vorgefertigtes Paket annimmt und danach lebt. Vor allem in der heutigen Zeit entwickeln viele Menschen ihre eigene kleine Religion. Bei Vielen ein Misch-Masch aus Feng-Shui, Esoterik, Buddhismus, viel Christentum (vor allem Wertemäßig) usw...
Bzgl. dem letzten ist mir der Argumentationsgang verloren gegangen, aber den hole ich noch nach.
edit: Wie versprochen meine Argumentation:
Also angenommen wir bleiben beim Beispiel Mensch und wir weisen ihm die Eigenschaft "Säugetier" zu. Du hast behauptet, wir wissen, dass ein Mensch ein Säugetier ist, von der Natur aus, also schon vorher als ein solches definiert. Ich hab jetzt mal 4 Zeiten gefunden in denen eine Definition vorher stattfinden könnte:
- Mit der Entstehung des Universums
- Mit der Entstehung des Säugetiers Mensch
- Mit der Entstehung eines vernunftbasierten Wesens
- Irgendwann dazwischen, ohne besonderem ersichtlichen Grund
Beginnen wir mit dem letzten Punkt. Wenn ohne ersichtlichem Grund etwas passiert, passiert es von etwas, das wir nicht kennen. Da das ziemlich genau der Definition von Gott bzw einem höheren Wesen entspricht, passt das hier soweit mal.
Bei der Entstehung des Universums läuft es sehr ähnlich ab. Falls wirklich schon sämtliche Ideen und Begriffe im vorhinein "da" waren, dann sind wir auch sehr nahe an der Ideenlehre von Platon.
Mit der Entstehung der Vernunft find ich die Betrachtung besonders interessant: Also wenn wir davon ausgehen, dass Vernunft nur der Mensch besitzt, dann dürfte es nichts vor dem Menschen existiert haben und damit wäre mit dem Mensch auch die ganze Welt "plötzlich" entstanden. Man kann das ähnlich sehen wie bei der typischen Frage: "Wenn ein Baum im Wald umfällt und keiner bemerkt es, ist er wirklich umgefallen?". Die Frage ist schein mit dem Strukturalismus aufgetaucht, also alles wird negativ definiert und wenn etwas sich nicht abgrenzen kann, existiert es nicht. Grundsätzlich interessante Meinung, nur muss man hier bedenken, dass sämtliche Atome aufeinander eine Wechselwirkung. Dementsprechend müsste man um die Theorie wirklich ernsthaft vertreten zu können, glauben, dass alle Quanten eine "Vernunft" besitzen um mit anderen Quanten in Wechselwirkung treten. (Damit wär auch der Fall mit der Entstehung des Universums nochmals abgedeckt). Viele Naturreligionen sehen das übrigens seit langer Zeit sehr ähnlich.
Hier sei angemerkt, dass die Physik noch immer keine Ahnung hat, was Gravitation, Materiewellen oder sonst irgendwelche Wechselwirkungen zwischen Dingen, sind. Wir sehen nur die Phänomene und glauben an irgendwelche Dinge dahinter.
Mit der Entstehung des Säugetiers würde es sich in etwa so Verhalten: Im ersten Fall betrachten wir ein allgemeines Säugetier. Wir wissen im Allgemeinen schon vor der Existenz eines Säugetiers, dass es ein Säugetier wird (ein bisschen verwirrend, weil es kein Säugetier vor dessen Existenz geben kann!). Insofern ist uns vorher der Begriff "Säugetier" schon bekannt.
Wir können nur noch auf den zweiten Fall zurückweichen und zwar, dass der Begriff des Säugetiers gleichzeitig mit der Existenz des ersten Säugetiers eintritt. In vielen Fällen mag das auch stimmen. Irgendjemand hat mal die Post-Its erfunden... ganz unabsichtlich und erst nachdessen Erfindung wusste man, für was die Dinger gut sind. Sowas passiert häufig in der Wissenschaft, aber eben nicht immer. Oft weiß man schon vorher, was man will und erfindet es praktisch nur noch. Zum Beispiel eine Zeit- oder Teleportmaschine.
Als Vertreter der altgriechischen Philosophie könnte man natürlich alle künstlich hergestellten Dinge ausnehmen, aber in dem Punkt find ich einfach, dass man dann nichts mehr aussagen könnte, weil man nicht weiß, WIE neue Lebensformen entsteht und damit das Problem nur in's ungewisse treiben würde. Eine Analogie zu von Menschenhand erzeugten Dingen empfind ich als sehr passend.
Im Endeffekt kann man eigentlich auch kurz zusammenfassen, dass JEDER irgendwie an eine höhere Macht glaubt, weil einfach noch nicht alles erklärt ist. Ob das jetzt ein passives 5. Element wie bei Aristoteles, ein personifizierter Gott, wie bei vielen Leuten die das Christentum nicht verstanden haben oder sonst in irgendeiner Form. Jeder Mensch glaubt an etwas, das er mit dem reinen Verstand nicht fassen kann, und das ist gut so! Den noch hat mir kein Mensch zeigen können, dass man alles mit dem Verstand fassen kann. Einige Chinesische Traditionen beharren zwar darauf mit Meditation und ähnlichem dem Wesen der Dinge näher zu kommen und mit ihnen Eins zu werden, aber dagegen spricht die Psychologie mit spiritueller Trance, die bewusst Halluzinationen hervorruft, wobei hier wieder nicht bewiesen ist, was das eigentlich alles soll und eigentlich schreiben an diesen Theorien sowieso nur noch Leute, die sich in ihrem Lebensraum eingeschränkt fühlen, weil man einfach keine vernünftige rationale Aussage treffen kann, zumindest noch nicht.
Also nochmal kurz: Jeder glaubt an ein höheres Wesen, denn jeder glaubt an etwas, dass er nicht kennt. Das ist gut, weil der Verstand auch gar nicht alles kennen kann.
Sokrates hat das mit seiner ewigen Fragerei auch gut "bewiesen". Kein Mensch konnte alle seine Fragen beantworten und im Endeffekt hat er nur immer genauer nachgefragt, was man ihm denn so erzählt hat. Die ewige Warum-Frage.