Hm.. wieviel der Zeit steht man in Medizin eigentlich in Labors? Macht man da auch irgendeine Art von Forschung oder ist die Ausbildung wirklich nur auf patientenorientiert? Deinem CV nach scheint ja dem alten Studiumplan noch ein wenig naturwissenschaftliche Forschung inne zu wohnen, während das beim neuen nicht mehr so (ganz?) ist?
Im alten Studium gab es einige naturwissenschaftliche Fächer. Allgemein musste man in jedem der insgesamt 25 Prüfungsfächer zuerst ein Praktikum machen, bevor man zur Fachprüfung (im Studentenjargon "Rigorosum" genannt) antreten konnte. Diese Praktika fanden in den naturwissenschaftlichen Fächern logischerweise meist in Labors statt.
Konkret hatten wir im Studium folgende Fächer:
Erster Abschnitt
- Chemie
- Physik
- Biologie
- Anatomie
- Histologie
- Biochemie
- Physiologie
Zweiter Abschnitt
- Psychologie
- Pathologische Anatomie
- Funktionelle Pathologie
- Hygiene, Mikrobiologie und Präventivmedizin
- Radiologie
- Pharmakologie und Toxikologie
Dritter Abschnitt
- Innere Medizin
- Chirurgie
- Frauenheilkunde
- Kinderheilkunde
- Neurologie
- Psychiatrie
- Zahnheilkunde
- Augenheilkunde
- Dermatologie
- HNO-Heilkunde
- Sozialmedizin
- Gerichtliche Medizin
Auch wenn es einige Laborpraktika gab, war das Studium in erster Linie zur Ausbildung für den Beruf des klinisch tätigen Arztes gedacht.
Im neuen Studium liegt der Schwerpunkt noch deutlicher in der Klinik. Wer reiner Forscher werden will, sollte etwas Anderes studieren (zum Beispiel Technische Chemie an der TU oder Molekulare Biologie an der Hauptuni).
Zu unseren Praktika:
Im Chemie-Praktikum haben wir Substanzen in Lösungen nachgewiesen, Massenspektrometrie betrieben und einige andere Analyseverfahren angewendet. Im Biochemie-Praktikum ähnlich.
Im Biologie-Praktikum gab es verschiedene Aufgaben, nicht sonderlich anspruchsvoll, unter anderem Chromosomensatz-Analysen. Das war eher eine Spielerei.
Im Physik-Praktikum haben wir insgesamt 12 Versuche gemacht, unter anderem mit einem Oszilloskop. Das war recht interessant. Wir arbeiteten in Zweierteams, wobei mein Kollege und ich immer als erste fertig waren. Die Arbeitsteilung war wie folgt: Ich habe gerechnet, und mein Kollege hat die Geräte bedient.
Das Anatomie-Praktikum war das aufwändigste: Insgesamt 14 Wochen lang standen wir von Montag bis Freitag jeden Tag an der Leiche und präparierten diese nach Vorgaben der Kursleitung. Dazu kamen zahlreiche Prüfungen, die allesamt sehr streng beurteilt wurden. Eine harte Schule, wie mir jeder zustimmen wird, der dieses Praktikum gemacht hat.
Im Histologie-Praktikum sahen wir uns viele verschiedene Gewebe des menschlichen Körpers und zum Teil auch einige tierische Präparate unter dem Mikroskop an.
Das Physiologie-Praktikum bestand aus einem neurophysiologischen und einem vegetativ-physiologischen Teil. Wir führten unter anderem Versuche zur visuellen und akustischen Wahrnehmung durch und nahmen einander Blut ab, um unsere Blutgruppen zu bestimmen.
Das Praktikum in Pathologischer Anatomie bestand wieder aus einem Sezierkurs (der aber nur drei Wochen dauerte) und einem Mikroskopie-Praktikum.
Im Hygiene-Praktikum sahen wir uns unter anderem Bakterienkulturen unter dem Mikroskop an.
Die übrigen Praktika des zweiten Abschnitts waren eher wie Seminare aufgebaut, also eigentlich Theoretika.
Die Praktika des dritten Abschnitts erfolgten überwiegend im Krankenhaus, wo wir in den ärztlichen Alltag eingebunden waren und Aufgaben wie Blutabnahme oder Injektionen zu übernehmen hatten. Dazu kamen 16 Wochen Pflichtfamulatur, die man in den Ferien in Lehrkrankenhäusern seiner Wahl ableisten musste (jeweils 4 Wochen in Innerer Medizin und Chirurgie, die übrigen 8 Wochen in Fächern, die einen persönlich interessierten).
Das eigentliche Problem im alten Medizinstudium waren aber nicht die Praktika (die haben Spaß gemacht), sondern die sehr strengen Fachprüfungen ("Rigorosa" - zu deutsch "strenge Prüfungen" - diesem Namen wurden sie wahrlich gerecht).