Nein, weil wenn ich eine Partei wähle, dann bringe ich damit zum Ausdruck, dass sie die Mehrheit im Parlament (und im Fall Österreichs damit auch die Regierung) stellen sollte.
Da bin ich anderer Meinung: Wenn ich eine Partei wähle, so bedeutet das, dass ich der Meinung bin, dass diese Partei am ehesten meine Interessen vertritt. Ob die Partei Chancen hat, die Mehrheit zu bekommen, ist weniger wichtig. Ich will jedoch im Parlament vertreten werden. Deshalb wähle ich die "Volksvertreter", die meinen Vorstellungen noch am ehesten entsprechen.
Und da bietet die Piratenpartei keinen Anhaltspunkt dafür, weil ihr sogenanntes "Programm" (http://files.piratenpartei.at/parteiprogramm.pdf) zwar durchaus wichtige Themen anspricht, aber eben nur genau ihre 4 und damit hat sichs. Ohne Statements zu allen anderen politisch wichtigen Themen würde ich niemals in Erwägung ziehen, ihnen meine Stimme zu geben, das wäre auf dem selben Niveau wie die FPÖ/BZÖ-Wähler, die halt die jeweilige Partei wählen weil ihnen das Thema "Ausländer sind so kriminell" gerade am wichtigsten ist.
Auch hier bin ich mit deiner Haltung nicht einverstanden: Wenn es mir ein besonders wichtiges Anliegen ist, dass Privatkopien legalisiert oder Softwarepatente verhindert werden, dann ist das Grund genug, die Piraten zu wählen. Wenn ich freilich andere Prioritäten habe und den Piraten nicht vertraue, dass sie meine Interessen vertreten würden, dann würde ich mir eine andere Partei suchen, die zu mir besser passen würde.
Natürlich ist es klar, dass es schwierig zu sagen ist, wie sich die Piraten etwa bei Abstimmungen über das Budget verhalten würden. Allerdings darfst du zwei Punkte nicht vergessen:
1. Auch die anderen Parteien halten sich nicht immer an das, was sie vor der Wahl versprochen haben. (Nicht immer? Vielleicht sollte ich besser sagen: Nie!) Bestes Beispiel: ÖVP. Ich habe bei der Nationalratswahl 2008 der ÖVP meine Stimme gegeben, weil Wilhelm Molterer im ORF vor laufender Kamera gesagt hat, er werde einen strikten Sparkurs einhalten. Was daraus geworden ist, ist euch wahrscheinlich bestens bekannt.
2. Wenn die Piraten nicht die Mehrheit bekommen werden - was eh äußerst unwahrscheinlich wäre -, dann werden sie bei den Abstimmungen ohnehin höchstens das Zünglein an der Waage sein. Wichtig ist jedoch, dass im Parlament Leute sitzen, die bestimmte Anliegen (z. B. gegen Internet-Zensur) vertreten!
Ich will von den Abgeordneten im Parlament nicht, dass sie sich speziell für ihre Sache einsetzen, sondern ich will von ihnen, dass sie sich immer jeweils für die beste Lösung für alle einsetzen (und da mögen jetzt die Ansichten unterschiedlich sein und danach sollte imho man bei seiner Wahl gehen).
Und auch da irrst du: Welcher Abgeordnete setzt sich schon für "die beste Lösung für alle" ein? Kann es denn überhaupt eine Lösung geben, die alle gleichermaßen befriedigt oder zumindest keinen benachteiligt? Ich denke, nein!
Die Politiker sollten theoretisch die Interessen ihrer Wähler vertreten. Freilich, in der Praxis tun sie nicht einmal das - sie vertreten vielmehr ihre eigenen Interessen bzw. die Interessen der Partei und der Lobbyisten, von denen die Partei finanziert wird.